Die 500 reichsten Deutschen

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Vorab zur Entwarnung

Sollten Sie nur 10 Millionen oder auch ein paar mehr besitzen, tauchen Sie namentlich in keiner Liste auf. In den Rankings, z.B. der Forbes Liste 2015 (dran denken: Milliarden nennt man in den USA Billionen), der SZ "Das sind die Superreichen" oder bei Wikipedia (Nachtrag: Die Wikipedia-Liste weist jeweils aktuellere Zahlen auf als dieser Text vom Feb. 2015), sind nur wirklich Reiche und Superreiche erfasst. Wer also z.B. zwei größere Mietshäuser im Münchner Stadtteil Lehel, mit 20 bis 40 Wohnungen, im Wert von 10 oder ein paar mehr Millionen besitzt, ist nur in den Augen der unteren 95% reich. Und nur als Immobilienbesitzer wird man nicht zu den 1.015.000 Glücklichen in Deutschland gezählt, die ein Finanz- oder Kapitalvermögen von mehr als einer Million auf die Waage bringen. (Zahlen aus der Zeitung Die Welt)

Siehe auch die nachstehende Grafik mit Anzahl der Millionäre je Land. Angaben jeweils in tausend Personen (es gibt demgemäß mehr als eine Million Finanz-Millionäre bei uns.):

*Feine Unterschiede: Aktien und andere Wertpapiere zählen zusammen mit Bargeld zum Finanzkapital, Immobilieneigentum, Wertgegenstände und Mitbesitz an einer GmbH, KG oder GBR usw. aber nicht.

Arm und Reich in Deutschland

Rechnet man Immobilienvermögen und Firmenwerte, alle Wertgegenstände, wie Kunst und Edelmetalle mit ein, ist die Zahl der Millionäre in Deutschland natürlich deutlich höher. Da schwanken Schätzungen, sehr ungenau, zwischen 3 und 8 Millionen Personen mit Besitz über einer Million. Das wäre (ohne Schwarzgeldkonten gerechnet) jeder 30. oder jeder 10. Bundesbürger, je nach Sichtweise; Auf jeden Fall aber mindestens jede 10. Familie.

Die Unterschiede bei der Vermögensverteilung sind in Deutschland sehr groß. Die große Mehrheit der Familien verfügt über ein Vermögen im 5- bis 6-stelligen Bereich, also zwischen 10 tausend und 999 tausend Euro. Ein Drittel der Deutschen hat keine Reserven, teilweise sogar mehr Passiva als Aktiva. Der Anteil der richtig Reichen differiert, ja nach Zählweise. Es sind auf jeden Fall weniger als 1% der Bevölkerung. Zählt man nur Familien mit einem Finanzkapital über einer Milliarde, also nur mehr als 1000-fache Millionäre, sind das sogar nur rund 120 in ganz Deutschland. 

Ein mittelmäßig Reicher, den jeder kennt

Wenn Sie wissen wollen wie vermögend etwa Franz Beckenbauer ist müssen Sie auf der Unterseite "Liste der 500 reichsten Deutschen" bis ganz nach unten ans Ende scrollen. Aber bitte in diesem Fall kein Neid. Der Beckenbauer-Franz, genannt "Der Kaiser" kann mit seinen 150 Millionen nicht die Welt aus den Angeln heben - und keinen wirklichen Schaden anrichten, wenn man von der Fußball-WM in Katar einmal absieht, für die er - in geschäftlicher Verbundenheit mit dem Emir von Katar - gestimmt hat. Ansonsten hat er sich für seine Millionen redlich abgestrampelt. Und er ist nicht Schuld an einem System, dass bereits das Fußvolk des Leistungssports zu (einfachen) Millionären macht. Spitzenleistungen in anderen Bereichen, die der Menschheit deutlich dienlicher sind, wie in Wissenschaft oder Ingenieurwesen, werden dagegen stiefmütterlich behandelt.

Und die Superreichen

Das Vermögen der Superreichen wächst auch ohne deren Zutun ständig weiter an. Wenn man mit einer Kapitalrendite von nur 2,5% rechnet, dann sind das bei einer Million nur 25.000€ im Jahr. Aber schon jede Milliarde (1000 Millionen) generiert mindestens 25 Millionen Jahreseinkommen. Bei 20 Milliarden sind das also 500 Millionen und bei 40 Milliarden 1.000 Millionen jährliches Vermögenwachstum. Dabei sind aber bei solchen Kapitalvermögen nicht 2,5%, sondern Renditen zwischen 3 und 8% üblich. Wir schreiben das hier nicht um Neid zu erzeugen sondern um die Verteilung von Vermögen und Macht transparent zu machen. (Eine Liste, in der es von Milliarden nur so wimmelt könnte Menschen, die an überschaubare Größenordnungen gewöhnt sind, täuschen. Aus diesem Grund listen wir die Beträge im Ranking in Millionen.)

Jedem Einzelnen und jeder Familie soll das gegönnt sein, was sie besitzen. Insgesamt kann aber die immer höhere Konzentration von Vermögen (und damit auch von politischer Macht) auf weniger als 0,1% der Bevölkerung die Demokratie aushebeln. Wenn Superreiche Millionenbeträge an Parteien spenden, quasi aus der Portokasse, macht sich das für die Spender so gut wie nicht bemerkbar, beeinflusst aber über die Parteifraktionen der Parlamente die Gesetzgebung; Und fast die Hälfte fließt dann als Steuererstattungen an die Geldgeber zurück, werden also letztlich vom Steuerzahler mitgetragen. (Natürlich auch nur dann, wenn die Spender überhaupt Steuern in Deutschland zahlen.) Nicht nur in anderen Ländern, sondern auch bei uns ist es extrem unwahrscheinlich, dass ein Multimilliardär, für den ein Dutzend Millionen mehr oder weniger keine Rolle spielen, wegen Mordes oder anderer Taten verurteilt wird. Wenn doch, muss er sich schon sehr dumm anstellen (siehe den SZ-Online-Bericht Multi-Millionär unter Mordverdacht und die Fortsetzung zum gleichen Thema Die allerletzte Folge).

Zur Ehrenrettung einiger Superreicher muss aber noch erwähnt werden, dass es Leute wie Bill und Melinda Gates auch vereinzelt in Deutschland gibt. Die Gates nehmen keinen Einfluss auf die US-Politik zu ihrem privaten Vorteil und geben statt dessen einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens wohltätig aus. Und unter den einfachen Reichen, also bei den noch nicht Superreichen, mit einem Vermögen unterhalb eines vierstelligen Millionenbetrages, gibt es noch mehr von diesen Menschenfreunden.

Noch ein Hinweis dazu: in den Summen dieser Ranking-Liste sind nur die offiziell bekannten Kapitalvermögen, also bekannter Bargeld und Wertpapierbesitz, enthalten. Keine Immobilien, Kunstgegenstände, Goldbarren, Diamanten oder evtl. Vermögen in Steuerparadiesen usw. Die Leutchen sind also nicht so arm, wie diese Liste glauben macht. Dass für einige Kandidaten keine Zahlen für die Jahre nach 2012 vorliegen, hat mit der vornehmen Zurückhaltung von Vermögensbesitzern in Gelddingen zu tun.