Was machen eigentlich Lobbyisten genau?

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

 

 

Beispiel sieben: Energiesparlampen

Nach Einflussnahme von Industrie-Lobbyisten hat die EU-Kommission europaweit Energiesparlampen vorgeschrieben und den Verkauf von traditionellen Glühfadenlampen schrittweise verboten. Die offizielle Begründung ist der deutlich geringere Energieverbrauch der Energiesparlampen. Diese sind aber auch um ein mehrfaches teurer, also auch mit einer deutlich höheren Gewinnspanne für Industrie und Handel. Die Energiebilanz der neuen Lampen ist allerdings nicht so optimal wie dargestellt, denn bei deren Produktion muss erheblich mehr Energie aufgewendet werden als bei traditionellen Leuchtkörpern. Die Umweltbilanz ist sogar katastrophal, denn die Lampen enthalten hochgiftiges Quecksilber, das in warmer Raumluft verdampft und Nerven-, Hirn- und Organschäden verursacht. Da gelegentlich Lampen zu Bruch gehen, spätestens bei der Entsorgung, oder auf ungesicherten Hausmüll-Deponien landen, wird die Umwelt systematisch mit dem Gift verseucht. Auf Druck der Industrie fehlen eigentlich notwendige Warnhinweise und Verhaltensregeln auf den Verpackungen. So müssen, bei einem Bruch der Lampen, sofort alle vorhandenen Fenster geöffnet und dann der betreffende Raum ohne Verzögerung verlassen werden. Solche Warnhinweise würde die Akzeptanz der neuen EU-Lampen natürlich etwas ausbremsen und das Geschäft liefe nicht mehr so zufriedenstellend. Es soll sogar während der normalen Nutzung giftige Dämpfe aus unbeschädigten Lampen austreten. Auch hat es mehrere schwere Vergiftungsfälle nach dem Bruch der quecksilberhaltigen Leuchtkörper gegeben. Gehirn- und Nervenschäden bis zum dauerhaften Haarverlust und Organschäden sind dokumentiert. Die führt aber nicht zu einem Umdenken der EU-Kommission und auch nicht zu Verpflichtung der Industrie, Warnhinweise zu verwenden. Auch die vorgeschriebene Entsorgung des hochgiftigen Problemmülls ist potentiell gesundheitsschädigend. Die in den Verkaufsstellen stehenden einfachen und ungesicherten Behälter für ausgediente Lampen dünsten das austretende Quecksilber aus. Die Dünnglasleuchten können beim Einwerfen zerbrechen - oder später bei der Entleerung der Behälter. Kundschaft und Personal sind über die Gefahr weder informiert noch geschützt. Profit hat auch hier Vorrang vor Gesundheit und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Beispiel acht: Chemie-Lobby

Hier tritt der Daimler-Benz-Konzern als Verbraucherschützer auf. Und das ganz im Ernst und ohne Ironie.

Die beiden US-Chemiekonzerne DuPont und Honeywell sind die Anbieter von R1234yf. Das ist ein Kältemittel für Auto-Klimaanlagen. Dieses wurde von der EU-Kommission für Europa bindet vorgeschrieben und sogar gegen den Widerstand der Autoindustrie durchgesetzt. Auf eigene Tests wurde verzichtet, statt dessen übernahm man die Risikobewertung der Hersteller. Nur Daimler-Benz wehrt sich als letzter Konzern dagegen und verwendet weiterhin das eigentlich klimaschädliche herkömmliche R134a. Das neue R1234yf ist zwar klimafreundlicher, aber extrem brisant. Es entzündet sich bei Temperaturen von 405°C von selbst und bildet zusammen mit Wasser (Löschwasser) gefährliche Flusssäure, eine der giftigsten Chemikalien, die sogar Glas durchätzen kann. Dieser Stoff ist so giftig, dass handtellergroße Verätzungen tödlich enden können. Nun fand ein Team um Chemiker um Prof. Andreas Kornath von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) heraus, dass 20 Prozent der Brandgase aus dem noch giftigeren Carbonylfluorid bestehen. Bis die ersten Autofahrer oder Rettungskräfte bei einem Verkehrsunfall verätzt werden ist also nur eine Frage der Zeit. (Der Brand eines einzelnen Autos in einem Tunnel würde zur tötlichen Falle für alle anderen dortigen Verkehrsteilnehmer. Siehe Video oder Bericht von Frontal21 von 2008.)

Die EU-Kommission wollte nun Deutschland und Daimler-Benz auf Einhaltung der Verordnung verklagen. Unser Nobel-Autobauer konnte aber in Testversuchen nachweisen, dass die Selbstentzündung allerspätestens bei 655°C und nicht erst bei über 950°C eintritt und in bis zu 80 Testfällen Flusssäure entstanden ist. Zudem verfügt die Automarke mit dem Stern über eine eigene Lobbymacht, und zwar sowohl bei der EU wie auch bei der Bundesregierung und in den jeweiligen Parlamenten. Auf Druck der Deutschen will die EU nun noch einmal über die Verordnung zur alternativlosen Verwendung von R1234yf beraten.